Junge Französin macht Freiwilliges Jahr

Pressebeitrag der Saarbrücker Zeitung vom 17./18.01.26

Eine junge Französin aus der Normandie absolviert bei der Karsten-Nendel-Stiftung im Itzbachtal in Siersburg ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Die SZ sprach mit ihr über ihre Erfahrungen.

Die 19-jährige Französin Julia Schallenkammer absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Itzbachtal in Siersburg. Unser Foto zeigt sie beider Fütterung der Schafe. Foto: Oliver Morguet

SIERSBURG„Nur in Hörsälen zu sitzen und über Natur zu hören, ohne sie zu sehen und zu erleben, hat mir nicht gereicht“, fasst Julia Schallenkammer ihre Beweggründe zusammen, sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu bewerben. Seit September 2025 arbeitet sie nun bei der Karsten-Nendel-Stiftung in deren Projekt „ökologische Aufwertung des Itzbachtals“.

Wie ihr Name schon vermuten lässt, hat die 19-Jährige aus der Nähe von Caen deutsche Wurzeln. „Ich bin aber als Kind nicht zweisprachig aufgewachsen, meine Muttersprache ist Französisch, obwohl meine Mutter aus Bayern stammt. Ich habe erst auf dem Gymnasium mit zwölf Jahren Deutsch gelernt“, erzählt sie in sehr gutem Deutsch. „Ich habe das deutsch-französische Abitur abgelegt, hatte also Deutsch als erste Fremdsprache und wurde auch in Erdkunde auf Deutsch unterrichtet.“

Nach dem Abitur nahm sie an der Universität in Caen ein Studium der Biologie und Medizin auf, das sie auch nach wie vor verfolgt. „Ich habe mich von klein auf mit Natur und Ökologie beschäftigt. Um neue Erfahrungen zu sammeln und mich beruflich zu orientieren, habe ich nach etwas Neuem gesucht und bin dabei im Internet auf die Karsten Nendel-Stiftung gestoßen.“ Träger des deutsch-französischen ökologischen Dienstes, wie ein Pendant zum deutschen Freiwilligen Ökologischen Jahr in Frankreich heißt, ist die CIFÉE, eine Organisation mit Sitz in Montpellier.

CIFÉE steht für Collectivité Interculturalité Formation Échange Engagement (deutsch: Verpflichtung zum Austausch von interkulturellen Schulungen in der Gemeinschaft). Der Verein konzentriert sich auf Gemeinschaft, Interkulturalität, Bildung, Austausch und Engagement im ökologischen Kontext und hat sich zum Ziel gesetzt, Vorurteile abzubauen und die Verständigung zwischen beiden Ländern zu fördern. Er hat die Karsten-Nendel-Stiftung als Einsatzstelle anerkannt.

Die Stiftung hat sich neben den Projekten „Linumer Teichlandschaft“ in Brandburg und „Polder Bresewitz“ an der Boddenküste Vorpommerns die ökologische Aufwertung des Itzbachtals auf ihre Fahnen beschrieben. Zahlreichen Flächen drohten, nachdem die Landwirtschaft dort aufgegeben wurde, die Verbuschung, was zu einem erheblichen Rückgang der Artenvielfalt führt. Die Stiftung hat in den vergangenen Jahren mehrere Maßnahmen gestartet, um dem entgegenzuwirken.

„Ich habe in Frankreich schon bei zwei Schäfern ein Praktikum und einen Ferienjob absolviert.“ 

Julia Schallenkammer

absolviert Freiwilliges Ökolgisches Jahr

Dazu gehören die extensive Beweidung mit Schafen, Ziegen und Rindern, die Anlage von Hecken für Vögel und die Haltung von 20 Bienenvölkern, außerdem ein Amphibienprojekt (die SZ berichtete) und ein Streichelzoo mit Hühnern und Kaninchen für Kindergartenkinder. Ein Schwerpunkt sind Streuobstwiesen: Die Bäume werden von den Bienen bestäubt, und die Tiere dienen quasi als Rasenmäher.

Schallenkammer arbeitet in allen Bereichen mit, wird aber vor allem bei der Haltung, Fütterung und Pflege der Tiere eingesetzt. Hier kann sie bereits auf wichtige Erfahrungen zurückgreifen. „Ich habe in Frankreich schon bei zwei Schäfern ein Praktikum und einen Ferienjob absolviert“, erzählt sie. Zu ihren täglichen Aufgaben gehört neben der Fütterung, zu kontrollieren, ob genug Wasser und Stroh für die Tiere vorhanden ist, ob die Sicherheitszäune in Ordnung sind und die Tiere zu beobachten, ob es ihnen gut geht.

Glück hatte die junge Französin, dass gerade eine private Ferienwohnung in Siersburg zur Verfügung stand. „Das war für mich eine große Umstellung, denn ein ganzes Ferienhaus ist schon ganz etwas anderes als meine Wohnung zu Hause in Caen.“ Die Wohnung ist auch nicht weit vom Gelände der Stiftung entfernt. Die Wege zur Arbeit und zurück legt sie mit dem Fahrrad zurück, macht aber aktuell gerade in Frankreich auch noch ihren Führerschein. Gerade hat sie die Theorieprüfung in Creutzwald nach nur drei Wochen bestanden. Für umfangreiche Freizeitaktivitäten bleibt neben der, auch körperlich anstrengenden Arbeit, nur wenig Zeit. Die nutzt sie für Sport, vor allem zum Klettern, geht auch mal in den Wald zum Pilze sammeln oder lernt die Umgebung kennen, unter anderem war sie schon in Saarbrücken oder Saarlouis.

Neu eingestiegen ist im Rahmen des deutschen Freiwilligen ökologischen Jahres Lucas Robinius „Wir hatten auch noch weitere Bewerbungen aus Frankreich, aber den mussten wir mangels einer geeigneten Unterkunft absagen“, berichtete Andreas Kiefer. Der Siersburger gehört dem Vorstand der Stiftung an und betreut vor allem das Itzbacher Projekt. Den Bau eines neuen Betriebsgebäudes für die Stiftung (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite) will Kiefer auch als langfristiges Bekenntnis der Stiftung zum Standort verstanden wissen.

Quelle:
Saarbrücker Zeitung (ePaper)_17./18.01.26; Saarlouis – Lokales